nostalie_collage"Sylt ist die Geburtsstätte der deutschen Surfkultur und das Wellenreiten seit jeher fester Bestandteil."

Waren die Franzosen die ersten surfenden Europäer? Denn auch in Deutschland begann man Anfang der 50er Jahre mit dem Wellenreiten – und zwar auf Sylt!

1953 bekamen die Sylter Rettungsschwimmer ihre ersten Rettungsbretter, die ziemlich ungeeignet zum Wellenreiten waren. Die Bretter waren 50kg schwer, hatten weder Aufbiegung, noch Finne und schon gar keine Leash. Dennoch startete Uwe „Nöger“ Drath (Jahrgang 1927) seine ersten Surfversuche damit am Strand von Westerland.

Dieter und Uwe Behrens, Walter Viereck, Gaston Surtmann, Falk Eitner und viele andere waren schon bald mit dem „Surfvirus“ infiziert und Anfang der 60er führten sie einen entscheidenden Aspekt der Sylter Surfkultur ein, als sie während der Wintermonate die ersten Reisen an die südfranzösische Atlantikküste unternahmen und hier auch ihre ersten "echten Wellenreitboards" kauften.

Auszüge aus dem Tagebuch von Uwe Behrens, die uns aus heutiger Sicht ein bisschen schmunzeln lassen:

16.06.1964
“Endlich sind unsere Surfbretter angekommen. Claus (Tamblé) und ich hatten die Bretter schon im Herbst bei Michel Barland in Biarritz bestellt. Mein Surfboard ist schön kurz und leicht – 2,95m und wiegt nur 21 kg, ist aus Polyester und sehr glatt.“


07.05.1965
“Gestern aus Biarritz zurückgekommen. (…) Eine wichtige Entdeckung machten wir: Die Franzosen wachsen die Bretter von oben. Ich wundere mich, dass wir nicht selber darauf gekommen sind.“

1966 wurde der „Surf Club Sylt“ gegründet, der Vorgänger des heutigen, dem mehrere Jahre diverse Sylter Surfer der ersten Stunde angehörten.

Seit dieser Zeit hat ein relativ kleiner Kreis einheimischer Surfer den Sport aufrechterhalten, obwohl gerade auf Sylt während der 80er und 90er Jahre das Wellenreiten eher im Hintergrund des medienwirksameren Windsurfens stattfand.
Surf-Mode gab es damals nur in US-Magazinen. Die ersten Neoprenanzüge wurden noch im selben Jahr direkt von O´Neill aus Kalifornien auf die Insel bestellt.nostalie_rechts

Der Nachwuchs, die sogenannten „Jungsurfer“ um Jürgen Hönscheid, sah die Sylter Rettungsschwimmer in den Wellen und war fortan nicht mehr von den Rettungsschimmerkarren und der Nordseebrandung wegzubewegen.
Die „kleinen Jungs“ bauten sich ihre „Boards“ aus Luftmatratzen und Besenstielen, bis die Rettungsschwimmer Mitleid hatten und ihnen ihre Boards zur Verfügung stellten.
Damals wurde der Grundstein für die Surfkarriere der Familie Hönscheid gelegt.

In den 70er und 80er Jahren war das Surfen bereits ein fester Bestandteil der Sylter. Wer konnte, steuerte im Herbst seinen VW-Bus Richtung Süden, um in Frankreich, Marokko, Portugal oder auf den Kanaren zu überwintern und im Frühjahr braungebrannt auf die Insel zurückzukehren. Noch heute ist diese „Winterflucht“ für viele Sylter Surfer der beste Way of Life. Und wie heißt es so schön: „Wer auf Sylt surfen gelernt hat, der kann es überall!“